Weniger Patriotismus für ein gemütliches Miteinander

Durch die Bitte an alle Teilnehmer_innen, beim „public viewing“ auf Nationalfahnen zu verzichten, setzen die Organisator_innen von freiBall einen Impuls für ein offenes freiLand, in dem alle miteinander eine gute Zeit verbringen können.

Gerade zur Fußballweltmeisterschaft der Männer kommen viele Menschen zusammen, um dieses Ereignis gemeinsam zu erleben. Dieses potentiell bereichernde Beisammensein dreht sich bei Spielen von „Nationalmannschaften“ meist jedoch sehr schnell um etwas anderes als Fußball. So trägt das gemeinsame Tragen und Schwenken von nationalen Symbolen dazu bei, dass Menschen eine nationale „Wir-Identität“ aufbauen und bestärken, die zwangsläufig zur Abgrenzung gegenüber „den Anderen“ führt, die sich nicht mit den gleichen nationalen Symbolen identifizieren.

Gerade wenn die deutsche Bevölkerung in Zeiten von Afghanistankrieg und der Werbung des Bundespräsidenten Köhler für hemmungslose Auslandseinsätze der Bundeswehr auf vermeintliche „nationale Interessen“ eingeschworen wird, gilt es, einen kritischen Umgang mit Nationalismus zu gewährleisten. Dass das enthemmte Fahnenschwenken ebenso leicht in körperliche Gewalt gegen Andersdenkende und vermeintliche Ausländer umschlägt, haben die während und nach der letzten WM in Deutschland zugenommenen Übergriffe deutlich gemacht.

Wir, die Linksjugend [’solid], sagen: Es gibt keinen „gesunden Patriotismus“. Der positive Bezug auf die eigene Nation geht immer einher mit der Abwertung der „Anderen“, die Stärkung der „nationalen Identität“ bedingt gleichzeitig die Verwischung sozialer Fragen und Kämpfe: wo es nur noch „Deutsche“ gibt, verschwinden die Räume für politische und soziale Auseinandersetzungen. Die Bitte der Organisator_innen von freiBall, bei der Teilnahme am „public viewing“ auf Nationalfahnen zu verzichten, sehen wir als einen Versuch, ein Sportereignis zu feiern, bei dem sich alle Menschen wohlfühlen, ohne dass dieses für Nationalismus missbraucht werden kann. Diese Entscheidung ist daher absolut begrüßenswert, wir könnten uns über die vorsichtig formulierte Bitte der Organisator_Innen hinausgehend aber auch vorstellen, dass zur Schau stellen von Nationalsymbolen grundsätzlich zu untersagen. Da Verbote generell und der Verzicht auf Nationalsymbole im Speziellen jedoch keine Allheilmittel sind, begrüßen wir außerdem ausdrücklich das geplante Rahmenprogramm, das sich kritisch mit dem Themenkomplex „Sport & Nation“ auseinandersetzen soll.